hamburger wirtschaft März 2015 - page 14

hamburger
wirtschaft
03/2015
Ti t e l
14
Moritz Heitmüller
moritz.heitmüller@hk24.de
Telefon 36138-306
Illustration: Anja Giese; Fotos: Komarov Andrey/Fotolia.com; Thinkstock; STILL
men und mit Menschen, Maschinen und Soft-
waresystemen kommunizieren“, sagt Matthias
Klug, Leiter der Unternehmenskommunikation
bei STILL. Mithilfe eines Robotiksystems sowie
Sensor- und Scannertechnologie kann der
cubeXX seine Umgebung in 3-D analysieren
und Regale, Paletten und bewegliche Hinder-
nisse auch während der Fahrt erkennen. Ver-
waltet, konfiguriert und mit Aufträgen ver-
sorgt wird das Fahrzeug über eine iPad-App
und eine eigens entwickelte Cloud-Plattform.
„Das Neue an dem, was wir bei STILL unter
Industrie 4.0 zusammenfassen, ist weniger die
Technologie an sich als vielmehr ihre neuartige
Vernetzung“, sagt Klug. So ließen sich inner-
halb des neuen Lagerkonzepts per Daten­
speicherung in der Cloud alle Prozesse so eng
vernetzen, dass eine direkte Verbindung vom
Onlineeinkauf des Endkunden bis zum einge-
setzten Flurfördergerät hergestellt werden
könne. „Die tatsächlichen Kosten einer solchen
Bearbeitung werden so erstmals transparent.“
Mehr Automatisierung durch verbesserte
Robotik und stärkere Vernetzung – reicht das
aus, um von einer Revolution zu sprechen? „Ich
glaube schon, dass auf lange Sicht die Ent-
wicklung hin zu dem, was unter Industrie 4.0
zusammengefasst wird, die Industrieprozesse
genauso nachhaltig verändern wird wie die
bisherigen drei industriellen Revolutionen“,
sagt Klug. Aber genau wie sein Arbeitgeber
STILL stehe die Wirtschaft insgesamt noch am
Anfang einer langfristigen Entwicklung.
Und wie denken Wissenschaftler darüber?
„Industrie 4.0 als Revolution zu bezeichnen,
halte ich für vermessen, da man solche Beur-
teilungen grundsätzlich Historikern überlassen
sollte“, meint Alexander Fay. Aber so etwas von
vornherein aus Marketingründen zu postulie-
ren, habe auch etwas Positives: „Schließlich
sprechen Politiker, Gewerkschaften und die
Öffentlichkeit nun intensiv darüber, wie die
Industrie in der Zukunft aussehen soll.“
Revolutionär oder nicht: Für den Standort
Deutschland bieten die Entwicklungen beacht-
liche Chancen. Laut einer Studie der Unter­
nehmensberatung Roland Berger beträgt das
Wertschöpfungspotenzial im Bereich Industrie
4.0 für deutsche Unternehmen bis zum Jahr
2025 rund 268 Milliarden Euro. Damit dieses
Potenzial ausgeschöpft werden kann, muss
aber noch viel passieren. Bislang haben der
Studie zufolge nämlich weniger als zehn Pro-
zent der deutschen Industrieunternehmen den
digitalen Transformationsprozess in Richtung
der Industrie 4.0 in die Wege geleitet.
Von der ersten bis zur vierten industriellen Revolution
1784
|
Erster mechanischer
Webstuhl
Erste industrielle Revolution
durch mechanische, mit Was-
ser- und Dampfkraft betriebene
Anlagen
1870
|
Erstes Fließband in den
Schlachthöfen von Cincinnati
Zweite industrielle Revolution
durch arbeitsteilige Massen­
produktion mithilfe von elektri-
scher Energie
Mit dem zunehmenden Grad an technischer Komplexität erhöht sich die Produktionskapazität
1969
|
Erste speicherprogram­
mierbare Steuerung (SPS)
Dritte industrielle Revolution
durch Einsatz von Elektronik und
IT zur weiteren Automatisierung
der Produktion
Heute
Vierte industrielle Revolution
auf Basis der Verknüpfung von
realen und virtuellen Objekten
durch IT-Netzwerke
Quelle: DFKI, 2011
Über die Hamburger Dialogplattform
Industrie 4.0 fördern Handelskammer, IVH
Industrieverband Hamburg, VDI Verband
Deutscher Ingenieure (Landesverband
Hamburg), VDMA und ZVEI den Austausch
zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und
Multiplikatoren. Ein Initialworkshop, bei
dem Unternehmen sich über Industrie 4.0
informieren und die weiterführende Arbeit
in Themenworkshops definieren können,
findet am 20. März von 8.30 bis 14 Uhr im
Handelskammer InnovationsCampus
statt. Weitere Informationen dazu sind
abrufbar unter
Veranstaltung
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