hamburger wirtschaft März 2015 - page 18

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wirtschaft
03/2015
D
ie Hotellerie liegt Karl Schlichting sozu­
sagen im Blut. Seine Familie mütterlicher­
seits war in dieser Branche tätig. „Mein Groß­
vater warnte mich damals, dass die Arbeit im
Hotel kein Job wie jeder andere ist und man
ihn nur machen sollte, wenn man richtig Spaß
daran hat“, erinnert sich der Diplom-Kaufmann,
der schon während der Schulzeit erste Arbeits­
erfahrungen in der Hotellerie sammelte. Die
Freude an seinem Beruf ist dem 57-Jährigen
bis heute geblieben.
Nach fast 20 Jahren als Direktor des Stei­
genberger Hotels auf der Fleetinsel betreibt er
seit 2012 über die Schlichting Hotel GmbH
eigene Häuser in Hamburg und Schleswig-
Holstein. „Als Selbstständiger habe ich kurze
Entscheidungswege, kann langfristiger denken
und auch schneller auf den Markt reagieren“,
begründet Schlichting seinen Wechsel von der
Angestellten- auf die Unternehmerseite. Das
dafür nötige Know-how hat sich der Betriebs­
wirt nicht nur während einer zweijährigen
Ausbildung an der Hotelfachschule im schwei­
zerischen Lausanne angeeignet. „Der große
Vorteil an der Hotellerie ist, dass man inner­
halb von wenigen Jahren auf allen Kontinenten
arbeiten kann“, sagt Schlichting. Er war in
Hilton Hotels in den USA, Kanada und in der
Karibik tätig, ehe er Ende der 1980er-Jahre zur
Steigenberger Hotels AG wechselte.
Zur gleichen Zeit stellte er sich die Frage,
wo seine Kinder aufwachsen sollen. „Ich bin
froh, dass wir uns für Hamburg entschieden
haben – wegen des familiären Umfelds und
weil sich die Stadt fantastisch entwickelt hat“,
sagt der zweifache Vater. Als Pre-Opening-
Manager betreute er ab 1991 den Aufbau des
Steigenberger Hotels auf der Fleetinsel. Mit der
Eröffnung Anfang 1993 übernahm er die
Leitung des Fünfsternehotels, das sich unter
Schlichting zu einemder wirtschaftlich führen­
den der Steigenberger Gruppe entwickelte.
Seit drei Jahren gibt er sein Wissen an die
Kunden seiner Schlichting Hotel GmbH weiter,
die er bei der Konzeption von Hotels berät. „Ich
habe beispielsweise sehr intensiv an der Ent­
wicklung des Sportlife-Hotels in Othmarschen
mitgearbeitet“, erzählt Schlichting. „Ein Hotel
in Verbindung mit einem Wellnessbereich ist
ein ganz interessantes Konzept, finde ich.“
Dennoch sieht sich Karl Schlichting mehr
als Hotelbetreiber und weniger als Berater. Mit
seiner Frau führt er das Hotel Engel in Niendorf
und das Fürst Bismarck am Hauptbahnhof.
„Ich bin sehr stolz auf die fortschrittliche Ent­
wicklung nach den Umbauten im Hotel Engel.
Und im Fürst Bismarck schreiben wir Zahlen,
die ich vor Jahren nicht für möglich gehalten
habe“, so Schlichting. Während er diese Häuser
gepachtet hat, kann er das Hotel Seehof am
Küchensee in Ratzeburg sein Eigen nennen. Im
Herbst 2012 hat er es ersteigert. „Ich habe ei­
nen heruntergekommen Betrieb übernommen
und nach eineinhalb Jahren Sanierung ist es
ein Prachtstück“, sagt er erfreut. Es sei nun
eine Perle am See. Wie wichtig Schlichting ein
sichtbares Ergebnis ist, zeigt sich auch in
anderen Bereichen. Als Ausgleich zum Beruf
spielt er Tennis und arbeitet im Garten. „Am
liebsten mähe ich den Rasen. Da kann ich
genau sehen, was ich geschafft habe.“
Po r t r ä t
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Engagierter Unternehmer: Karl Schlichting, hier im Hotel Engel, ist unter anderem Mitglied des Vorstandes des Tourismusverbandes Hamburg e. V.
Ann-Katrin Raudszus
Telefon 36138-563
Foto: Ulrich Perrey
Hotellerie
Von der Kunst,
ein guter
Gastgeber
zu sein
Nachdem er 25 Jahre lang für die Steigenberger Hotels AG tätig war, hatte Karl
Schlichting 2012 genug vom Angestelltendasein. Mit der Schlichting Hotel GmbH
machte er sich selbstständig.
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