hamburger wirtschaft März 2015 - page 3

hamburger
wirtschaft
03/2015
T
rotz – demografisch bedingt – rückläufiger
Schulabgängerzahlen in den umliegenden
Bundesländern kommen immer noch rund 50
Prozent der Hamburger Auszubildenden in
Industrie, Handel und Dienstleistungen aus
anderen Bundesländern. Dies ist durchaus
positiv, denn Hamburgs Unternehmen sind auf
diese Auszubildenden angewiesen. Allein mit
Hamburger Schulabgängern wäre es nicht
möglich, alle Ausbildungsplätze in der Hanse-
stadt zu besetzen. Dies gilt vor allem für kleine
und mittlere Betriebe, die oftmals aufgrund
ihres geringeren Bekanntheitsgrades bereits
heute Schwierigkeiten haben, geeignete
Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden.
Gleichzeitig wird es für auswärtige Jugendliche
aber immer schwerer, in Hamburg bezahlbaren
Wohnraum zu finden.
Es gibt zwar eine Vielzahl von Studentenwohn-
heimen, aber bislang kein einziges Wohnheim
für Auszubildende. Dieser Zustand soll nun ein
Ende haben, denn im Stadtteil Wandsbek
entsteht mit dem „College Quartier“ Hamburgs
erstes Wohnheim speziell für minderjährige
Auszubildende mit insgesamt gut 150 Plätzen
in modernen und zeitgemäßen Ein- und Mehr-
zimmerappartements. Die Mieten werden sich
am Niveau des sozialen Wohnungsbaus
orientieren. Bei der Platzvergabe sollen vor
allem diejenigen Azubis bevorzugt werden, die
nicht täglich zwischen ihrem Heimatort und
dem Betrieb pendeln können, die einen
Ausbildungsvertrag bei kleinen und mittleren
Unternehmen abgeschlossen haben und die das
18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
Allerdings werden die günstigen Mieten nicht
die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene
sozialpädagogische 24-Stunden-Betreuung für
minderjährige Jugendliche decken. Deshalb
greifen an dieser Stelle der Hamburger Senat
und unsere Handelskammer gemeinsam „in die
Speichen“ und haben vor Kurzem einen Vertrag
über einen Fonds geschlossen, der die Über­
nahme der Betreuungskosten im Azubi-Wohn-
heim für die kommenden 15 Jahre sichert. Die
über die gesamte Laufzeit anfallenden Kosten in
Höhe von gut 6,5 Millionen Euro teilen sich
die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und
Integration, die den Löwenanteil trägt, sowie
die Senatskanzlei und unsere Handelskammer.
Als Interessenvertretung der Hamburger
Wirtschaft steuern wir insgesamt etwa eine
Million Euro bei, die sukzessive aus einer bereits
vor Jahren vorausschauend gebildeten Rücklage
für diesen Zweck entnommen werden. Im
Gegenzug dafür erhält unsere Handelskammer
ein Zimmerkontingent, das vorzugsweise an
Auszubildende aus Branchen mit besonderem
Fachkräftebedarf vergeben wird. Über die
Auswahl der entsprechenden Branchen wird
die Kammer jährlich neu entscheiden.
Ich freue mich außerordentlich, dass unser
Plenum den Beschluss zur Beteiligung an den
Betreuungskosten für minderjährige Auszu­
bildende einstimmig getroffen hat. Dies
unterstreicht die Bedeutung, die die duale
Berufsausbildung für die Fachkräftesicherung
hat. Als Wirtschaft haben wir damit ein
deutliches Ausrufezeichen dafür gesetzt, dass
der Ausbildungsstandort Hamburg mit seinen
vielseitigen, interessanten und anspruchsvollen
Ausbildungsberufen auch zukünftig für
auswärtige Bewerberinnen und Bewerber
attraktiv bleibt. Abschließend bleibt nur zu
wünschen, dass der Baufortschritt am „College
Quartier Wandsbek“ zügig und komplikationsfrei
voranschreitet, damit Hamburgs erstes Azubi-
Wohnheim vielleicht schon im kommenden
Ausbildungsjahr Realität ist.
Ausbildungsstandort Hamburg
Mehr Wohnraum für den Nachwuchs
„Ich freue mich, dass unser
Plenum den Beschluss zur
Beteiligung an den Betreu-
ungskosten einstimmig
getroffen hat“
Ed i t o r i a l
3
Foto: Stephan Wallocha
Fritz Horst Melsheimer
Präses der Handelskammer Hamburg
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